Verändertes Zuchtverhalten im SV

Die Zucht im Verein für Deutsche Schäferhunde hat sich von den 60ern bis in die 90er Jahre dramatisch verändert.

Von Karl-Heinz Baumöller

Nicht nur; dass seinem Erscheinungsbild nach ein anderer Schäferhund geschaffen wurde. Das war vorhersehbar Ich meine die Auswahl der Partner. Man darf heute mit Recht behaupten, dass wir im SV zwei Populationen haben. Wie konnte es dazu kommen? Das ist die eine Frage! Die viel wichtigere aber ist, wie wird es enden? In seinen Anfängen bis weit in die 60er Jahre legte der Verein Wert darauf einen Gebrauchshund mit einem nützlichen und ansprechendem Gebäude zu schaffen. Aber eben auch mit den bekannten Gebrauchseigenschaften. Von dieser Maxime ist der größte Teil unserer heutigen Hunde weit entfernt. Hatten die diensthundhaltenden Behörden in früheren Jahren fast nur DSH, so ist ihr Anteil heute unter 50% gesunken. Aber noch immer schreien die Unbelehrbaren nach längerer Kruppe und besserer Vorhandwinkelung. Sie vergessen aber ganz, dass sie eigentlich einem Verein angehören, der sich zum Ziel gesetzt hat, und das auch in seiner Satzung festgehalten hat einen Hund zum GEBRAUCH zu züchten. Davon entfernt sich der SV zum großen Teil immer mehr. Wer das Elend auf der DSZS 2000 in Bremen gesehen hat, weiß, wovon ich rede.
Nun erlaubt sich ein ehemaliger Bundeszuchtwart im Internet 10 Vorschläge zu machen, wie man den Gebrauchshund DSH ganz von der Liste der Gebrauchshunde streichen kann. "Helfer dürfen keine Schwächen aufdecken." Zitat Helmut Buß! "Hunde die auf der BSZS im Schutzdienst durchfallen, sollen eine zweite Chance bekommen. Hunde, die sich für die BSP qualifiziert haben, müssen erst auf einer Schau begutachtet werden, ob sie auch das richtige Gebäude haben." Es kann keine Rede davon sein, dass ich glaube, dass diese Anträge Aussicht auf Erfolg hätten. Nein, die Frechheit ist, so zu tun, als fehle es dem DSH an Anatomie und nicht an inneren Werten. Seit mehr als dreißig Jahren züchten gewisse Kreise nur nach dem Äußeren des DSH. Nie haben diese Fanatiker daran gedacht, dass sie ja eigentlich einen Hund züchten sollen, der irgendwo gebraucht werden soll. Ein paar Beispiele: 1955 wurde Alf vom Nordfelsen VA-Sieger bei den Rüden. Über ihn kommen auch heute noch die meisten Teilnehmer der BSP, aber fast keine der BSZS. Im gleichen Jahr nahm seine Wurfschwester Astrid vom Nordfelsen an der BSP in Hamburg teil. Kann sich jemand vorstellen, dass eine Wurfschwester von Ursus Batu an der BSP teilnimmt?
Enno Antreftal hatte mit Drigon einen Sohn als Bundessieger, aber mit Roland Wohrabrücke auch einen VA-Nachkommen. Dieser wiederrum hatte fünf Nachkommen auf Bundessiegerprüfungen und mit Siro Seeblick auch noch einen guten Vererber.
Betrachten wir die Partnersuche damals und heute. In den Jahren von 1960 bis 1969 haben an BSP 443 Hunde teilgenommen. 45 dieser Hunde hatten Väter die selbst an einer BSP teilgenommen hatten. (10,15%) Aber 185 Hunde hatten Väter die auf der DSZS waren (41,76%). Davon waren 51 Hunde Nachkommen von VA-Rüden (11,51%).
In den Jahren von 1970 bis 1979 nahmen 739 Hunde an BS-Prüfungen teil. Nun beginnt es sich zu ändern. 164 Hunde hatten Väter, die selbst an einer BSP teilgenommen hatten (22,19%).
Aber immer noch waren 301 Hunde dabei, deren Väter auf der BSZS waren. 98x war der Vater ein VA-Rüden (40,73 %). Man lese und staune: 33 Hunde hatten Väter die an beiden Veranstaltungen teilnahmen. Zum Beispiel Arko Riedersknapp mit Helmut Dreistadt. Sie wurden zweimal Bundessieger und erzielten auf der BSZS zweimal "Vorzüglich". Übrigens war er der Großvater von Bernd und Bodo vom Lierberg.
In den 80er Jahren verändert sich das Bild weiter zu Gunsten der BSP-Teilnehmer. 902 Hunde nahmen an den 10 BS-Prüfungen teil. Davon hatten 253 Hunde Väter die selbst auf einer BSP waren (28,04 %). Aber die Zahl derer, die auf der BSZS waren, war immer noch höher 340 Hunde kamen über BSZS-Teilnehmer (37,69 %). Darin enthalten sind 97x VA-Rüden (9,64 0%).
Nun kommt das, was Herrn Buß so ins Auge sticht. In den Jahren von 1990 bis einschließlich 1999 nahmen 1100 Hunde an den BS-Prüfungen teil.
535 kamen über Väter, die selbst auf BSP waren (48,63 %). Nur noch 137 Teilnehmer kommen über Väter von der BSZS (12,45 %0). VA-Rüden sind nur noch mit 3,18 % beteiligt; genau 35x. Nimmt man die Hunde dazu. deren Väter auf LG-Ausscheidungen waren (194 Hunde = 17,63 %) so sind 66,26 % der BSP-Teilnehmer über Hunde gezogen, die sich auf höheren Prüfungen beweisen mussten. Dass diese Entwicklung weiter geht, zeigt das Jahr 1999. 117 Hunde nahmen an der BSP teil. 83 Hunde hatten Väter, welche selbst auf der BSP waren (70,94%). Nur noch 7 kamen über Väter die auf der BSZS waren (5,98 %).
Nur noch ein Rüde kam über VA (0.85 %). Nimmt man die 15 Hunde, deren Väter LGA-Teilnehmer waren, dazu, kommen von 117 Hunden 98 über Väter die sich bewiesen haben.
Diese Entwicklung zeigt aber auch, dass unsere Züchter gelernt haben. Lernen mussten, denn was heute von den Hunden verlangt wird, kann die Hochzucht nur durch Mutation der Natur vererben. Leistungsbezogene Züchter wissen in der Regel, dass nicht das einzelne Tier sondern auch die Ahnen mit vererben. Wie aber soll Rikkor Bad Boll einen Bundessieger vererben, wenn unter seinen Ahnen nicht ein Hund war, der als Gebrauchshund zu verwenden
war?